
Lorcher Rilke Abend mit Dr. Sandra Richter
Der „Runde Kultur Tisch Lorch“ zeigte sich erfreut, dass es ihm gelang Prof. Dr. Sandra Richter, Direktorin des Deutschen Literaturarchivs Marbach, im vollbesetzten Saal des Lorcher Bürgerhauses begrüßen zu dürfen. Prof. Dr. Sandra Richter begann den Abend mit Neuigkeiten aus Marbach: dem Architektur Wettbewerb für Entwürfe des Neubaus des Literatur Archivs auf der Marbacher Schillerhöhe. Sie lud das Publikum in die Rilke –Ausstellung ein, die viel Interessantes der Literaturgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts aus dem Nachlass der Familie Rilke in diesem Jahr zeigt, dass das Archiv erworben hat.
Dr. Sandra Richter nahm die Zuschauer mit auf eine interessante Reise durchRilkes vielschichtiges Leben und Werk. Rilke, der viel gearbeitet hat, sagte von sich, er habe geschrieben wie im Rausch. Geboren 1875 im damals habsburgischen Prag sollte nach dem Willen des Vaters Offizier werden, doch das lag dem „Muttersöhnchen“ nicht.
Seine Mutter hat ihn künstlerisch gefördert. Schon als Kind schrieb der kränkliche Rilke Gedichte und erhielt 15jährig seinen ersten Preis. Zielstrebig ging er seien Weg Dichter zu werden, studierte Jura und Literatur und zog nach München wo er sich die nötigen
Kontakte zu Verlegern, Mentoren und Förderer knüpfen konnte. Dort begann auch die Beziehung zur Psychoanalytikerin Lou Andreas – Salome und ihrer Kommune. In dieser Zeit löste sich der 22jährige Rilke aus der Phase des Jugendstils, seine Gedichte und
Schriften wurden härter und vermittelten auch das Leiden. Rilke therapierte sich durch sein Schreiben in seinen Durststrecken. In der Künstlerkolonie Worpswede traf er auf viele Künstlerkollegen, Autoren, Maler, Musiker wie Heinrich Vogeler, Paula Modersen – Becker und seine spätere Frau die Bildhauerin Clara Westhoff mit der er eine Tochter hatte. Viele Frauen und Mäzene boten ihm Unterstützung in schwierigen Zeiten. Der Kosmopolit Rilke arbeitete in vielen Ländern: Frankreich, Russland, Dänemark, Schweden, Österreich, Deutschland, Italien, Nordafrika und der Schweiz. Der 1. Weltkrieg hinterließ seine Spuren: die Geschichte „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilkes“ wurde in viele Sprachen übersetzt. Mit Unterstützung von Förderern und Freunden lies sich Rilke vom Kriegsdienst befreien. Sein angegriffener Gesundheitszustand führte ihn oft in Sanatorien, immer mit Notizbuch am Schreiben. Arbeit war sein Leben, das sich gegen Ende seines Lebens der Mythologie zuwandte. An drei Schreibtischen an vielen Orten entstanden berühmte Werke: ein großer Schatz an Gedichten („Der Panther“ allen bekannt aus den Schulbüchern) den Roman „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“, Biografien wie die von Rodin, die „Duineser Elegien“, „Fünf Gesänge“, „Sonette an Orpheus“, Briefe und anderes mehr. Rilke liebte schöne Kleidung und die Natur, besonders Rosen, er legte aus Liebe Blumen in seine Bücher, hatte viele Bekannte, zog sich aber am Ende seines Lebens in die Einsamkeit des alten Turmes von Muzot in der Schweiz zurück, dass sein Förderer Werner Reinhart für ihn kaufte. Rilke starb leukämiekrank im Dezember 1926 in Val – Mont. Dr. Sandra Richter begeisterte die Zuhörer mit ihrer lebhaften, anschaulichen informationsreichen Vortragsweise, textsicher, vielschichtig und ohne Manuskript und ermöglichte dem Publikum einen umfassenden Einblick ins Leben und Werk Rainer Maria Rilkes. Am Ende ihrer Ausführungen beantwortete Dr. Richter noch Fragen aus dem Publikum und signierte ihre Bücher „Rilke oder das offene Leben“, das der Büchertisch der Buchhandlung „Semicolon Lorch“ anbot.
Jutta Rund

Lorcher Rilke Abend mit Dr. Sandra Richter
